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DPRG-Wissenschaftspreis 2024: Interview mit Jury-Mitglied Prof. Dr. Swaran Sandhu

„Die beforschten Themen sind [...] ein Seismograph für Veränderungen, egal ob diese gesellschaftlicher, technologischer oder umweltbezogener Art sind“, sagt Swaran Sandhu über die eingereichte Arbeiten zum DPRG Wissenschaftspreis 2024. Der Preis wird am 16. Mai wieder in den Kategorien „Bachelor“, „Master“ und „Dissertation“ vergeben und ist mit jeweils 500 € dotiert.

Der Wissenschaftspreis zeichnet akademische Abschlussarbeiten im Themenfeld Kommunikationsmanagement und PR aus. Klenk & Hoursch ist seit 2020 Partner des DPRG Wissenschaftspreises, der alle zwei Jahre im Rahmen des Internationalen Deutschen PR-Preises der DPRG vergeben wird. Die Jury besteht aus Prof. Dr. Swaran Sandhu (Hochschule der Medien Stuttgart), Prof. Dr. Elke Kronewald (Fachhochschule Kiel), Prof. Dr. Irina Lock (Universität Jena) und Prof. Dr. Helena Stehle (Universität Münster).

Wir haben im Vorfeld der Preisverleihung am Deutschen PR-Tag am 16. Mai in Hannover mit dem Jury-Vorsitzenden Prof. Dr. Swaran Sandhu gesprochen.

Herr Sandhu, was hat Sie persönlich dazu motiviert, den Vorsitz der Jury für den DPRG-Wissenschaftspreis zu übernehmen?

Die Neugierde, wie junge PR-Forschende Themen und Fragestellungen behandeln. Forschung ist ja nichts, was im Elfenbeinturm stattfindet. Viele Forschungsfragen haben einen unmittelbar lebensweltlichen Bezug: wie gehen wir mit Desinformation um, wie kommuniziert die Klimabewegung oder welchen Einfluss hat der Ukraine-Krieg auf die Kommunikation von Organisationen?

Welche Kriterien sind für Sie und Ihre Jury-Kolleg:innen besonders wichtig, wenn Sie Abschlussarbeiten für den Wissenschaftspreis bewerten? Worauf achten sie?

Wir bewerten in drei Dimensionen: Wissenschaftlichkeit, Innovationsgrad und Relevanz, die wir noch weiter untergliedert haben. Eine preiswürdige Arbeit muss den üblichen wissenschaftlichen Kriterien genügen. Zusätzlich interessieren uns besonders Arbeiten, die unterforschte Themen oder neue Entwicklungen analysieren. Und die Ergebnisse sollten den wissenschaftlichen Diskurs weiterbringen und/oder im besten Falle auch für die Branche neue Impulse liefern.

Inwiefern spiegeln die eingereichten Arbeiten die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen in der Kommunikationsbranche wider?

Die Wissenschaft reflektiert mit etwas Zeitversatz gesellschaftliche und technologische Entwicklungen. Trotzdem ist das System eher träge. Es gibt „Evergreens“ wie z. B. ethische Fragen, die sich unter anderem am Untersuchungsgegenstand ändern. Aber ethische Fragestellungen und Untersuchungsmethoden sind keine Modethemen: Auch 300 Jahre nach Kants Geburtstag kommt man nicht an den Klassikern vorbei.

Was aber deutlich auffällt: die Themen Interne Kommunikation, Personalisierung/CEO-Kommunikation und CSR/Aktivismus haben deutlich zugelegt, während eher klassische Fragestellungen etwa zum Verhältnis Journalismus und Public Relations weniger stark behandelt werden. Das könnten Nachwirkungen der Corona-Zeit sein, in der viele Organisationen die interne Kommunikation gestärkt haben. Und die ersten Arbeiten zu generativen KI oder dem Umgang mit Desinformation hatten wir auch schon im Angebot und wahrscheinlich werden es noch deutlich mehr werden.

Inwiefern spiegeln die eingereichten Arbeiten die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen in der Kommunikationsbranche wider?

Die Wissenschaft reflektiert mit etwas Zeitversatz gesellschaftliche und technologische Entwicklungen. Trotzdem ist das System eher träge. Es gibt „Evergreens“ wie z. B. ethische Fragen, die sich unter anderem am Untersuchungsgegenstand ändern. Aber ethische Fragestellungen und Untersuchungsmethoden sind keine Modethemen: Auch 300 Jahre nach Kants Geburtstag kommt man nicht an den Klassikern vorbei.

„Die Themen Interne Kommunikation, Personalisierung/CEO-Kommunikation und CSR/Aktivismus haben deutlich zugelegt.“ 

Prof. Dr. Swaran Sandhu

Was aber deutlich auffällt: die Themen Interne Kommunikation, Personalisierung/CEO-Kommunikation und CSR/Aktivismus haben deutlich zugelegt, während eher klassische Fragestellungen etwa zum Verhältnis Journalismus und Public Relations weniger stark behandelt werden. Das könnten Nachwirkungen der Corona-Zeit sein, in der viele Organisationen die interne Kommunikation gestärkt haben. Und die ersten Arbeiten zu generativen KI oder dem Umgang mit Desinformation hatten wir auch schon im Angebot und wahrscheinlich werden es noch deutlich mehr werden.

Der Wissenschaftspreis wurde erstmals 1985 vergeben. Wie hat sich der Fokus der eingereichten Arbeiten im Laufe der Jahre verändert? Warum ist der Award nach wie vor relevant?

Zunächst ist es erfreulich, dass sich die PR-Branche zu einem solchen Preis bekennt und diesen schon fast 40 Jahre lang vergibt. Das zeigt, dass Nachwuchsförderung für die Branche ein wichtiges Anliegen ist. Auszeichnungen sind zunächst kompetitiv und motivieren den Nachwuchs, eine abgeschlossene Arbeit nochmals in die Hand zu nehmen und einzureichen. Ich bin sicher, dass es noch eine Vielzahl nicht gehobener Schätze bei Abschlussarbeiten gibt, die nur die Gutachter:innen gelesen haben und danach für 20 Jahre im Archiv des Prüfungsamts verschwunden sind. Zweitens haben Auszeichnungen eine Signalling-Wirkung. Wenn eine unabhängige Jury – und wir achten sehr auf mögliche Befangenheiten – aus vielen sehr guten Arbeiten die besten auswählt, darf man als Ausgezeichnete:r zurecht stolz sein. Die beforschten Themen sind zugleich auch ein Seismograph für Veränderungen, egal ob diese gesellschaftlicher, technologischer oder umweltbezogener Art sind. Und vielleicht – das ist jedenfalls der Wunsch – gelingt uns drittens der Dialog zwischen der Forschung und der Praxis z.B. auf dem PR-Tag in Hannover (PR-Tag).

Welche Bedeutung hat der Wissenschaftspreis für die Förderung von Spitzenleistungen in der Kommunikationsforschung und -praxis?

Vielleicht ist die Auszeichnung ein Impuls, eine wissenschaftliche Karriere in Angriff zu nehmen? Oder in der Praxis wissenschaftliche Ergebnisse nicht zu ignorieren, sondern diese auf ihre Nützlichkeit für kommunikative Problemstellungen auszuloten?

Gibt es bestimmte Trends oder Herausforderungen, denen sich Abschlussarbeiten in der Kommunikationsbranche verstärkt widmen sollten, um für den Wissenschaftspreis relevant zu sein?

Jedes „unterforschte“ Thema oder eine neue Perspektive auf ein bereits erforschtes Problem sind prinzipiell spannend. Ich würde das Thema für eine Forschungsarbeit aber nicht strategisch bezogen auf einen Preis auswählen. Man merkt beim Lesen schnell, ob ein:e Autor:in für das Thema brennt. Und eine gewisse Leidenschaft gehört zum Forschen einfach dazu: Das liefert eine hohe intrinsische Motivation. Leidenschaft hat aber auch mit „Leiden“ zu tun: es gibt wohl keine Wissenschaftler:in, die nicht schon mal an der Forschungsarbeit oder sich selbst gezweifelt hat. Der „organisierte Zweifel“ gehört mit zum Geschäft und gibt uns die notwendige Resilienz, nach einem Fehlschlag weiterzumachen. Umso schöner ist es, die Ergebnisse dieses langen Ringens auch öffentlich bei einer Preisverleihung zu würdigen.

Welche Bedeutung hat der Wissenschaftspreis für die Förderung von Spitzenleistungen in der Kommunikationsforschung und -praxis?

Vielleicht ist die Auszeichnung ein Impuls, eine wissenschaftliche Karriere in Angriff zu nehmen? Oder in der Praxis wissenschaftliche Ergebnisse nicht zu ignorieren, sondern diese auf ihre Nützlichkeit für kommunikative Problemstellungen auszuloten?

Gibt es bestimmte Trends oder Herausforderungen, denen sich Abschlussarbeiten in der Kommunikationsbranche verstärkt widmen sollten, um für den Wissenschaftspreis relevant zu sein?

Jedes „unterforschte“ Thema oder eine neue Perspektive auf ein bereits erforschtes Problem sind prinzipiell spannend. Ich würde das Thema für eine Forschungsarbeit aber nicht strategisch bezogen auf einen Preis auswählen. Man merkt beim Lesen schnell, ob ein:e Autor:in für das Thema brennt. Und eine gewisse Leidenschaft gehört zum Forschen einfach dazu: Das liefert eine hohe intrinsische Motivation. Leidenschaft hat aber auch mit „Leiden“ zu tun: es gibt wohl keine Wissenschaftler:in, die nicht schon mal an der Forschungsarbeit oder sich selbst gezweifelt hat. Der „organisierte Zweifel“ gehört mit zum Geschäft und gibt uns die notwendige Resilienz, nach einem Fehlschlag weiterzumachen. Umso schöner ist es, die Ergebnisse dieses langen Ringens auch öffentlich bei einer Preisverleihung zu würdigen.

Kurzbiografie

Swaran Sandhu ist seit 2012 an der Hochschule der Medien (HdM) Stuttgart. Seit 2014 leitet er die Studienrichtung „Public Relations“ im Studiengang „Crossmedia-Redaktion/Public Relations“.

Der Schwerpunkt seiner Lehr- und Forschungsthemen – insbesondere Organisationskommunikation und Netzwerkanalyse – liegt an der Schnittstelle zwischen Kommunikationswissenschaft und Organisationsforschung. In diesem Jahr leitet er zum ersten Mal als Vorsitz die Jury des Wissenschaftspreis der DPRG.

Prof Swaran Sandhu
13 Sebastian Riedel

Sebastian Riedel

Senior Consultant

Sebastian Riedel is a communication consultant with an open view for all stakeholders. He advises companies and organizations in building and implementing content strategies as well as crisis prevention and crisis management - online and offline, across all channels and platforms. He is a crisis and media trainer and holds…
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